Pimax Crystal Super – Ultrawide-Modul im Praxistest

Wichtiger Hinweis: In diesem Beitrag berichte ich von dem Verlauf meiner Erfahrungen, zunächst von meinen ersten ernüchternden Testversuchen mit dem Ultrawide-Modul und schließlich von einem späteren relativ zufriedenstellenden Ergebnis. Ich empfehle daher, den Beitrag komplett zu lesen.

Die beiden Videos zu meinen Eindrücken zum Ultrawide Modul der Pimax Crystal findet ihr im Übrigen auf meinem Youtube Kanal: Crystal Super Ultrawide Review



Eigentlich war die Ausgangslage klar: Ein Ultrawide-Modul, das laut Pimax bis zu 140 Grad horizontales Sichtfeld liefern soll, verspricht genau das, was sich viele VR-Enthusiasten wünschen – mehr periphere Wahrnehmung, mehr Präsenz, mehr „Mittendrin“.

Nach mehreren Wochen intensiver Nutzung zeigt sich aber ein deutlich komplexeres Bild.

Messungen und erste Ernüchterung

Meine ersten Tests basieren auf einer konsistenten Methode, die ich auch bei den anderen Modulen der Pimax Crystal Super verwendet habe. Gemessen habe ich mit dem Tool „WIMFOV“, immer mit identischem Setup: gleichem Gesichtspolster, manuell korrekt eingestelltem IPD und reproduzierbaren Bedingungen.

Die vorläufigen Ergebnisse waren nach der ersten Testung des Ultrawide Moduls im Vergleich:

Das warder Punkt, an dem es schwierig wurde. Das Ultrawide-Modul landet in meinem Setup praktisch auf dem Niveau des 50-PPD-Moduls – bei gleichzeitig geringerem Stereo-Overlap. Genau das widerspricht der Erwartung, die der Name „Ultrawide“ erzeugt.

Pimax Crystal Super Module - ultrawide, 50ppd und 57ppd

Workarounds statt Lösung

Im Austausch mit Pimax wurde mir zunächst empfohlen, ein dünneres Facepad zu verwenden und den IPD bewusst größer einzustellen. Tatsächlich lässt sich der gemessene FOV damit steigern – in meinem Fall auf etwa 132 Grad.

Das Problem: Diese Einstellung ist für mich deutlich anstrengender für die Augen und entfernt sich vom eigentlich korrekten Setup. Ein sauber eingestellter IPD sorgt für ein stabiles stereoskopisches Bild. Wird er bewusst verfälscht, leidet die Bildqualität und die Augen müssen stärker kompensieren.

Für mich ist das kein echter Lösungsansatz, sondern eher ein Workaround mit Nebenwirkungen.

Interessant ist dabei der direkte Vergleich: Beim 50-PPD-Modul bleibt der FOV stabil – unabhängig davon, ob ich Facepad oder IPD verändere. Beim Ultrawide-Modul hingegen reagiert das Ergebnis deutlich sensibler auf solche Anpassungen. Genau hier liegt der entscheidende Unterschied.

Firmware, Community und neue Erkenntnisse

Nach dem ersten Test habe ich das Thema weiterverfolgt, verschiedene Firmware-Versionen ausprobiert und mich intensiv mit der Community ausgetauscht. Ich kann zur weiteren Vertiefung sehr den entsprechenden Reddit Beitrag empfehlen:

Daraus ergibt sich ein etwas differenzierteres Bild.

Mit der Firmware-Version 1.0.11 erreiche ich inzwischen etwa 130 Grad horizontalen FOV – ein Fortschritt, aber weiterhin unterhalb der beworbenen 140 Grad.

Andere Nutzer berichten von ähnlichen Werten, während wiederum einige tatsächlich in Bereiche kommen, die sich näher anfühlen wie ein echtes Ultrawide-Erlebnis. Es scheint also keine einheitliche Erfahrung zu geben.

Der Vergleich mit Messungen über Tools wie HMDQ zeigt zudem, dass das theoretische Potenzial des Moduls bei rund 138 Grad liegt. Dieses Potenzial kommt aber nicht bei jedem Nutzer in der Praxis an.

Das führt zu einer wichtigen Erkenntnis:
Es gibt aktuell eine spürbare Lücke zwischen dem, was technisch möglich ist, und dem, was im Alltag tatsächlich sichtbar wird.

HMDQ Test Tool - Crystal Super Ultrawide
HMDQ Test Tool – Crystal Super Ultrawide
FOV - Pimax Crystal Super Ultrawide
FOV – Crystal Super Ultrawide

Abhängigkeit vom individuellen Setup

Ein zentraler Faktor scheint der individuelle IPD-Bereich zu sein. Distortion-Profile – also die softwareseitige Korrektur der Linsenverzerrung – sind immer auf bestimmte Bereiche optimiert. Meine Beobachtung ist, dass das aktuelle Profil für einige Nutzer gut passt, für andere jedoch nicht.

Das würde erklären, warum die Erfahrungen so stark auseinandergehen.

Damit unterscheidet sich das Ultrawide-Modul aktuell von den anderen Modulen der Crystal Super: Es liefert keine konsistente Nutzererfahrung über verschiedene Setups hinweg.

Einordnung im Vergleich

Setzt man das Ultrawide-Modul direkt neben das 50-PPD-Modul, ergibt sich folgendes Bild:

  • Der FOV-Unterschied ist kleiner als erwartet
  • Das Ultrawide-Modul bietet weniger Stereoüberlappung
  • Der Zugewinn an peripherer Sicht ist vorhanden, aber nicht in dem Maß, das der Name suggeriert

Für ein Modul, das explizit über das Sichtfeld definiert ist, ist dieser Abstand schlicht zu gering.

Mögliche Einsatzbereiche

Trotz der Einschränkungen gibt es Szenarien, in denen das Ultrawide-Modul seine Stärken ausspielen kann. Besonders im Simulationsbereich kann ein erweitertes peripheres Sichtfeld sinnvoll sein – etwa um Bewegungen im Augenwinkel wahrzunehmen oder ein besseres Gefühl für Geschwindigkeit und Umgebung zu bekommen.

Auch in bestimmten Spielsituationen, in denen periphere Wahrnehmung eine Rolle spielt, kann ein größeres Sichtfeld theoretisch Vorteile bringen.

Empfehlung und aktueller Stand

Wer sich für das Ultrawide-Modul interessiert, kommt aktuell nicht darum herum, es selbst auszuprobieren. Die Erfahrung hängt zu stark vom eigenen Setup ab.

Wichtig dabei: möglichst nah an die Linsen kommen, zum Beispiel über ein dünneres Facepad. Das kann das Ergebnis spürbar verbessern – auch wenn es nicht zwangsläufig die komfortabelste Lösung ist.

Wenn das Ergebnis überzeugt, passt das Modul. Wenn nicht, sollte man die Rückgabemöglichkeit im Hinterkopf behalten.

Stand jetzt wirkt das Ultrawide-Modul wie ein Produkt mit Potenzial, das softwareseitig noch nicht vollständig ausgeschöpft wird. Viel spricht dafür, dass zukünftige Anpassungen der Distortion-Profile hier noch Verbesserungen bringen können.

Bis dahin bleibt ein gemischter Eindruck: mehr FOV als zu Beginn, aber für bisher für mich nicht das klare Ultrawide-Erlebnis, das ich mir erhofft habe.

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