Können sie die Magie von VR zurückbringen?
Vor Kurzem habe ich ein Video darüber gemacht, dass sich die Magie von VR für mich über die Jahre ein Stück weit verändert hat. Nicht weil VR schlechter geworden wäre — ganz im Gegenteil. Die Technik entwickelt sich immer weiter. Höhere Auflösungen, bessere Linsen, größere Sichtfelder und leistungsfähigere Headsets sorgen dafür, dass VR heute objektiv besser ist als noch vor ein paar Jahren.
Und trotzdem gibt es diese Momente, in denen sich VR nicht mehr ganz so überwältigend anfühlt wie am Anfang. Ein Gefühl, das wahrscheinlich viele kennen, die sich schon lange mit Virtual Reality beschäftigen. Unser Gehirn gewöhnt sich irgendwann an vieles. Selbst an Dinge, die anfangs völlig unglaublich wirken. Während ich über dieses Thema nachgedacht habe, ist mir allerdings etwas aufgefallen:
Die immersivsten VR-Erlebnisse, die ich bisher hatte oder gesehen habe, hatten oft erstaunlich wenig mit reiner Bildqualität zu tun. Es war nicht unbedingt die höchste Auflösung oder das schärfste Display, das mich am meisten beeindruckt hat. Es waren die Momente, in denen VR plötzlich mehr wurde als nur ein Bildschirm vor den Augen. Momente, in denen nicht nur die Augen, sondern der ganze Körper Teil der Erfahrung wurde.
Wenn VR mehr wird als nur ein Bildschirm vor den Augen
Technisch betrachtet schauen wir in VR eigentlich nur auf zwei kleine Displays direkt vor unseren Augen. Trotzdem erschafft unser Gehirn daraus eine räumliche Welt. Wir nehmen Tiefe wahr, Entfernungen und Präsenz.
Aber zur Realität gehört natürlich noch viel mehr. Wir spüren den Boden unter unseren Füßen. Beschleunigung in einem Auto. Wind im Gesicht. Kräfte auf unserem Körper. Und genau diese Dinge lassen sich inzwischen teilweise auch in VR simulieren. Bewegung, Haptik, Wind oder physisches Feedback können die Illusion einer virtuellen Welt plötzlich deutlich glaubwürdiger machen.
Motion-Rigs: Wenn ein Flugsimulator plötzlich real wirkt
Eines der intensivsten VR-Erlebnisse, die ich bisher hatte, war ein 6DoF Motion Rig, das sich ein Freund selbst gebaut hat. Darauf konnte man verschiedene Simulationen erleben: Rennspiele, Truck-Simulatoren oder Kampfjets in DCS World. Und besonders der Flugsimulator hat mich damals wirklich überrascht. Nicht wegen der Auflösung des Headsets. Sondern weil plötzlich viele kleine Dinge zusammenkamen.
Das Motion-Rig bewegte den gesamten Körper. Der Sitz reagierte auf Flugmanöver. Dazu kamen ein realistischer Joystick mit Force-Feedback, ein Schubregler und ein Gurtsystem. Dadurch hatte mein Gehirn irgendwann tatsächlich das Gefühl, in einem echten Cockpit zu sitzen. In Rennsimulationen funktionierte das ähnlich. Kurvenkräfte, Beschleunigung, Bremsbewegungen oder das Force-Feedback im Lenkrad sorgen dafür, dass man Bewegungen nicht nur sieht — sondern körperlich wahrnimmt. Und genau das verändert die Immersion enorm.

Sandbox VR und Free-Walk-Erfahrungen
Eine völlig andere Form von Immersion habe ich bei sogenannten Free-Walk-VR-Erlebnissen erlebt. Ein Beispiel dafür ist Sandbox VR. Dort bewegt man sich nicht einfach nur mit einem Controller durch eine virtuelle Welt. Man läuft tatsächlich selbst durch einen echten Raum. Gleichzeitig trägt man ein VR-Headset, haptische Westen und hält reale Gegenstände in der Hand, die im Spiel als Waffen oder Werkzeuge dargestellt werden. Dadurch entsteht ein sehr ungewöhnliches Gefühl von Präsenz.
Man reagiert auf andere Spieler. Man bewegt sich real durch die Umgebung. Man spürt Treffer oder Explosionen direkt am Körper. Teilweise wird sogar Wind eingesetzt, um bestimmte Situationen noch glaubwürdiger wirken zu lassen. Der technische Aufwand hinter solchen Installationen ist enorm. Aber genau deshalb fühlen sich solche Erfahrungen oft deutlich intensiver an als klassische VR-Spiele zuhause.

VR-Treadmills und die Idee vom echten Laufen in VR
Ein weiteres spannendes Feld sind VR-Treadmills. Viele kennen dieses Konzept vermutlich aus Ready Player One: Plattformen, auf denen man läuft, rennt oder sich duckt, während diese Bewegungen direkt in die virtuelle Welt übertragen werden.
Ein bekanntes Beispiel dafür ist die Virtuix Omni One. Die Idee dahinter ist faszinierend: Man bewegt sich physisch, bleibt aber trotzdem an derselben Stelle im Raum. Dadurch entsteht das Gefühl, sich tatsächlich durch eine virtuelle Welt zu bewegen. Die Technologie hat aktuell sicherlich noch ihre Grenzen und Herausforderungen. Trotzdem zeigt sie sehr deutlich, wohin sich VR langfristig entwickeln könnte.

Wingsuit-VR und Birdly
Besonders spannend finde ich außerdem VR-Erfahrungen rund ums Fliegen.
Bei manchen Wingsuit-Installationen hängt man tatsächlich in einer Flugposition an Seilen, spürt Wind im Gesicht und steuert die Flugrichtung über Körperbewegungen. Schon allein die Vorstellung davon klingt unglaublich immersiv.
Noch weiter geht dabei das System Somniacs Birdly. Dort liegt man in einer speziellen Flugposition und steuert die Bewegung mit den eigenen Armen, die praktisch zu virtuellen Flügeln werden. Gleichzeitig erzeugt das System Wind und Bewegungen, um das Gefühl eines echten Fluges zu simulieren. Ich selbst konnte Birdly bisher noch nicht ausprobieren. Aber genau solche Konzepte zeigen sehr gut, wie stark Immersion werden kann, wenn VR beginnt, den gesamten Körper einzubeziehen.
Tatsächlich konnte ich aber mit dem System von ICAROS, das Gefühl in VR zu Fliegen zuletzt auf der FIBO in Köln kennenlernen, wo VR Gaming mit Fitness und Sport in Verbindung gebrach wird.


Die eigentliche Stärke von VR
Wenn man sich all diese Technologien anschaut, fällt irgendwann ein Muster auf. Die stärksten VR-Erlebnisse entstehen oft nicht allein durch bessere Grafik. Sie entstehen dann, wenn virtuelle Erfahrungen körperlich werden. Wenn man sich wirklich bewegt. Wenn man Kräfte spürt. Wenn Wind simuliert wird. Wenn die virtuelle Welt nicht mehr nur sichtbar ist, sondern sich physisch glaubwürdig anfühlt.
Vielleicht liegt dort die nächste große Entwicklungsstufe von VR. Nicht nur in schärferen Displays oder noch höheren Auflösungen — sondern darin, mehr unserer Sinne einzubeziehen und die Verbindung zwischen virtueller Welt und echtem Körper immer glaubwürdiger zu machen. Und vielleicht ist das auch der Weg, ein Stück dieser ursprünglichen Magie von VR zurückzubringen.

