Sandbox VR in Alsfeld: Wie immersiv ist das Gruppenerlebnis wirklich?

Vor einiger Zeit habe ich gemeinsam mit einigen bekannten Gesichtern aus der deutschen VR-Community Sandbox VR in Alsfeld besucht. Mit dabei waren unter anderem Hanni, Nanni vom altehrwürdigen VR-Podcast, Jan, Sebbo und MotionBasti. Unser Ziel war es, eines der bekanntesten VR-Arcade-Konzepte auszuprobieren und herauszufinden, wie gut sich das Erlebnis gegenüber dem heimischen VR-Setup behaupten kann.

Sandbox VR stammt ursprünglich aus den USA und betreibt inzwischen Standorte in mehreren deutschen Städten. Das Unternehmen setzt auf einen hohen technischen Aufwand und verspricht ein besonders immersives VR-Erlebnis für Gruppen.

Ein eher unscheinbarer Ort mit überraschendem Angebot

Alsfeld selbst wirkt auf den ersten Blick nicht unbedingt wie ein Ort, an dem man eine der modernsten VR-Attraktionen Deutschlands erwarten würde. Die Stadt mit ihren historischen Fachwerkhäusern hat jedoch ihren eigenen Charme und eignet sich durchaus für einen Zwischenstopp.

Von außen wirkt die Sandbox-VR-Location zunächst relativ unauffällig. Im Inneren erwartet Besucher jedoch eine moderne und funktionale Anlage mit Empfangsbereich, Wartezone und mehreren Spielbereichen.

Alsfeld
Das ist Alsfeld – Ein Besuch wert
Sandbox VR: Eingang
Sandbox VR – Der Eingang

Technik hinter dem Erlebnis

Für die VR-Erfahrung kamen Headsets vom Typ HTC Vive Focus 3 zum Einsatz. Mehrere Spieler können gleichzeitig in derselben virtuellen Umgebung unterwegs sein. Die Rechenleistung wird dabei zentral über Server bereitgestellt und an die Headsets gestreamt.

Vor Spielbeginn werden die Teilnehmer mit zusätzlicher Technik ausgestattet. Dazu gehören Tracker für die Bewegungserfassung des Körpers, haptische Westen und das eigentliche VR-Headset. Im Spielbereich sorgen außerdem Ventilatoren für simulierten Wind, um bestimmte Spielsituationen physisch spürbar zu machen.

Ein großer Pluspunkt während unseres Besuchs war das Personal vor Ort. Das Team half beim Anlegen der Ausrüstung, erklärte die Abläufe verständlich und sorgte dafür, dass auch größere Gruppen schnell einsatzbereit waren.

Sandbox VR Service & Equipment
Sandbox VR Alsfeld: Equipment und Service

Seekers of the Shard: Gemeinsam gegen Drachen und Untote

Unser erstes Spiel war „Seekers of the Shard: Dragonfire“. Dabei handelt es sich um ein Fantasy-Abenteuer, in dem die Spieler eigene Charaktere auswählen und gemeinsam gegen verschiedene Gegner antreten. Das Spiel setzt stark auf Zusammenarbeit und vermittelt das Gefühl, tatsächlich als Gruppe durch dieselbe virtuelle Welt zu reisen.

Besonders interessant ist dabei der Unterschied zwischen Außenwirkung und tatsächlichem Erlebnis. Wer eine Gruppe von Spielern von außen beobachtet, sieht meist Menschen, die scheinbar planlos durch einen Raum laufen und in die Luft schlagen. Innerhalb der virtuellen Welt entsteht dagegen ein deutlich überzeugenderes Bild.

Sandbox VR erstellt nach jeder Runde automatisch zusammengeschnittene Videos, die die virtuellen Charaktere und die Aktionen der Spieler miteinander kombinieren. Das Ergebnis wirkt überraschend professionell und transportiert deutlich besser, was die Teilnehmer tatsächlich erlebt haben.

Sandbox VR: Mixed Reality Video
Hoch in den Himmel – Sandbox VR – Seekers of the Shard
Sandbox VR: Mixed Reality Video
Hoch in den Himmel – Sandbox VR – Seekers of the Shard

Fluch der Karibik in VR

Anschließend folgte „The Curse of Davy Jones“, ein Piraten-Abenteuer mit verfluchten Gegnern, Schiffsdecks und einer ebenfalls actionlastigen Spielmechanik. Auch hier profitierte das Erlebnis von den zusätzlichen Immersionseffekten. Wind, Haptik und die gemeinsame Interaktion innerhalb der Gruppe erzeugten Momente, die sich deutlich von klassischem VR-Gaming zu Hause unterscheiden.

Die automatisch generierten Highlight-Videos funktionierten auch bei diesem Szenario erstaunlich gut. Für Gruppen, die Erinnerungen an ihren Besuch mitnehmen möchten, ist das ein gelungenes Zusatzfeature.

Sandbox VR: Mixed Reality Video
The Curse of Davy Jones – Sandbox VR
Sandbox VR: Mixed Reality Video
The Curse of Davy Jones – Sandbox VR

Ein Blick auf Hologate

Neben dem eigentlichen Sandbox-VR-Bereich gibt es vor Ort auch Hologate-Anlagen. Das Konzept unterscheidet sich etwas vom Hauptangebot. Jeder Spieler erhält seinen eigenen Bereich, das Tracking erfolgt über Lighthouse-Systeme und die Erfahrungen erinnern stärker an klassische VR-Arcades.

Wir konnten dort einen speziell entwickelten Cyberpunk-Escape-Room ausprobieren. Technisch funktionierte das System zuverlässig, auch wenn der Unterschied zum eigentlichen Sandbox-VR-Erlebnis deutlich spürbar war. Der besondere Reiz von Sandbox VR liegt vor allem darin, dass sich alle Spieler gemeinsam durch denselben physischen Raum bewegen.

Hologate Alsfeld
Hologate Alsfeld

Was besonders gut funktioniert

Der größte Vorteil von Sandbox VR ist das Gruppenerlebnis. Die Kombination aus gemeinsamer Bewegung, Full-Body-Tracking, haptischen Westen, simuliertem Wind und speziell entwickelten Mehrspieler-Spielen schafft eine Form von sozialer VR, die man zu Hause nur schwer nachbilden kann.

Hinzu kommt die unkomplizierte Organisation. Besucher müssen keine Technik einrichten, keine Software konfigurieren und sich nicht mit Tracking-Problemen beschäftigen. Man erscheint, bekommt die Ausrüstung angelegt und kann direkt loslegen. Gerade für Geburtstage, Firmenveranstaltungen, Junggesellenabschiede oder gemeinsame Ausflüge mit Freunden eignet sich das Konzept sehr gut.

Wo die Grenzen liegen

Als Gruppe aus erfahrenen VR-Nutzern sind wir allerdings auch mit einer gewissen Erwartungshaltung angereist.
Bei voller Auslastung mit sechs Personen wurde der verfügbare Spielbereich stellenweise recht eng. Gelegentlich kommt man sich gegenseitig in die Quere, was sich in manchen Situationen bemerkbar macht.
Auch die Bildqualität blieb etwas hinter meinen Erwartungen zurück. Die eingesetzten Vive Focus 3 Headsets sind grundsätzlich zu einer höheren Bildqualität fähig, als wir sie während unseres Besuchs wahrgenommen haben. Ob dies mit dem Streaming-System, der Anzahl gleichzeitiger Spieler oder anderen technischen Faktoren zusammenhängt, lässt sich von außen schwer beurteilen.

Das Erlebnis blieb dennoch überzeugend, insbesondere weil die eigentliche Stärke von Sandbox VR nicht in maximaler Auflösung liegt, sondern im gemeinsamen Erleben.

Fazit

Sandbox VR bietet eine der aufwendigsten und immersivsten Gruppen-VR-Erfahrungen, die derzeit in Deutschland verfügbar sind. Die Kombination aus Full-Body-Tracking, haptischem Feedback, Windsimulation und speziell entwickelten Mehrspieler-Abenteuern schafft ein Erlebnis, das sich klar von klassischem VR-Gaming zu Hause unterscheidet.

Wer als VR-Enthusiast bereits hochwertige Headsets besitzt, wird bei Bildqualität und Tracking einzelne Schwächen entdecken können. Wer jedoch gemeinsam mit Freunden, Familie oder Kollegen in virtuelle Welten eintauchen möchte, bekommt hier ein durchdachtes Gesamtpaket, das vor allem durch den sozialen Aspekt und die aufwendige Inszenierung überzeugt.

Für Gruppen ist Sandbox VR aus meiner Sicht eine klare Empfehlung.