ICAROS auf der FIBO – Wenn VR, Bewegung und Körpergefühl zusammenkommen

Für viele Menschen besteht VR vor allem aus Headsets, Auflösung, Controllern und Spielen. Auf der FIBO in Köln wurde schnell klar, dass es auch eine ganz andere Richtung gibt. Zwischen klassischen Fitnessgeräten, Laufbändern und Trainingsflächen hatte mich die Firma ICAROS eingeladen, ihre Systeme selbst auszuprobieren.

ICAROS versucht seit Jahren, Virtual Reality mit echter körperlicher Bewegung zu verbinden. Dabei geht es nicht nur um Fitness im klassischen Sinn, sondern auch um Gleichgewicht, Koordination, Rehabilitation und das allgemeine Körpergefühl innerhalb virtueller Umgebungen. Schon beim ersten Eindruck fiel auf, dass der Stand deutlich ruhiger wirkte als viele andere Bereiche der Messe. Weniger Showcharakter, dafür stärker auf die eigentliche Erfahrung fokussiert. Genau das passte auch zu dem, was mich an dem Thema interessiert hat.

Durch die Demo geführt wurde ich von Daniel Rühle, Physio- und Sporttherapeut sowie Medical Sales Manager bei ICAROS. Dabei ging es nicht nur um das eigentliche Erlebnis, sondern auch um die Hintergründe der Systeme und ihre Einsatzbereiche.

VR nicht nur mit den Händen erleben

Viele VR-Anwendungen beschränken sich im Kern darauf, dass sich der Nutzer visuell in einer virtuellen Welt befindet. Der Körper selbst bleibt dabei oft relativ passiv. ICAROS verfolgt einen anderen Ansatz. Die Bewegung des eigenen Körpers wird direkt Teil der Steuerung. Gewichtsverlagerungen, Körperspannung und Balance beeinflussen unmittelbar das Verhalten innerhalb der virtuellen Umgebung. Dadurch entsteht ein deutlich stärkeres Gefühl physischer Beteiligung.

In meinem Fall bedeutete das: fliegend durch virtuelle Landschaften zu navigieren, während der eigene Körper permanent versucht, Stabilität und Kontrolle zu halten. Das klingt zunächst relativ simpel, fühlt sich in der Praxis aber überraschend intensiv an.

VR Komplize FIBO
Vor der FIBO in Köln
Zwischen Hanteln und Laufbändern
Zwischen Hanteln und Laufbändern
ICAROS - erster Eindruck
ICAROS – erster Eindruck

Zwischen Spiel, Training und Therapie

Besonders interessant war für mich, dass ICAROS die Systeme nicht ausschließlich als Fitness- oder Entertainmentprodukt versteht. Die Plattformen werden unter anderem auch im therapeutischen Kontext eingesetzt. Laut Daniel Rühle liegt der Fokus dabei unter anderem auf Neurologie und Orthopädie. Die Systeme laufen über SteamVR in Kombination mit eigener Software und verschiedenen speziell entwickelten Anwendungen.

Ein Teil der Erlebnisse setzt auf eher spielerische Ansätze, andere konzentrieren sich stärker auf Bewegung, Koordination oder gezielte Trainingsabläufe. Dazu kommen fotorealistische Umgebungen wie die Dolomiten, Berchtesgaden oder das Engadin. Gerade diese Mischung aus realen Bewegungen und glaubwürdigen virtuellen Landschaften erzeugt ein interessantes Präsenzgefühl. Das Gehirn verbindet die körperliche Aktivität deutlich stärker mit dem, was visuell passiert.

ICAROS im Flug
ICAROS – erster Eindruck
Im Gespräch mit Daniel Rühle von ICAROS
Im Gespräch mit Sporttherapeut und Medical Sales Manager Daniel Rühle .

Die körperliche Komponente verändert das VR-Gefühl

Was bei solchen Systemen schnell auffällt: Die Immersion entsteht nicht primär durch maximale Auflösung oder extreme Grafikqualität. Entscheidend ist vielmehr, dass der Körper aktiv eingebunden wird. Wenn Bewegungen, Gleichgewicht und visuelle Rückmeldung miteinander zusammenpassen, entsteht eine Form von Präsenz, die sich deutlich anders anfühlt als klassisches Sitzen oder Stehen in VR.

Genau solche Erfahrungen finde ich momentan besonders spannend, weil sie zeigen, dass sich Immersion nicht nur über Displays oder Sichtfelder definieren lässt. Viele der intensivsten XR-Erfahrungen entstehen aktuell dort, wo virtuelle Inhalte und echte körperliche Wahrnehmung enger miteinander verschmelzen.

Kein typisches Gaming-System

ICAROS fühlt sich nicht wie ein klassisches VR-Gaming-Produkt an. Die Systeme bewegen sich irgendwo zwischen Fitnessgerät, Therapiewerkzeug, Trainingsplattform und immersiver Experience. Dadurch entsteht auch eine etwas andere Zielgruppe als bei vielen typischen VR-Headsets.

Interessant ist dabei vor allem, dass solche Konzepte zeigen, wie breit XR langfristig eingesetzt werden könnte. Nicht nur für Unterhaltung, sondern auch für Gesundheit, Prävention, Rehabilitation oder allgemein körperorientierte Anwendungen. Gerade im therapeutischen Bereich wirkt die Verbindung aus Motivation, Bewegung und immersiver Rückmeldung potenziell sehr spannend.

ICAROS im Rehasport
ICAROS im Rehasport
ICAROS zeigt Trainigserfolge
ICAROS zeigt Trainigserfolge

Mein Eindruck nach der Demo

Die Demo war körperlich anstrengender, als ich erwartet hatte. Vor allem das permanente Ausbalancieren und die notwendige Körperspannung machen schnell deutlich, dass hier tatsächlich gearbeitet wird und nicht nur eine virtuelle Illusion entsteht. Gleichzeitig entsteht aber genau dadurch ein VR-Gefühl, das sich von vielen klassischen Erfahrungen unterscheidet. Nicht weil die Technik spektakulärer aussieht, sondern weil der eigene Körper wesentlich stärker Teil der Erfahrung wird. Das ist vermutlich auch der Punkt, an dem solche Systeme interessant werden: Sie zeigen, dass die Zukunft von XR nicht nur aus immer schärferen Displays bestehen muss, sondern möglicherweise stärker darin liegt, wie glaubwürdig digitale Inhalte mit echter Bewegung und Körperwahrnehmung verbunden werden.

Das vollständige Video zur ICAROS-Demo auf der FIBO mit Eindrücken vor Ort und dem Gespräch mit Daniel Rühle findet ihr auch auf meinem YouTube-Kanal.