SLAM vs. Lighthouse: Welches VR-Tracking ist besser? Praxistest mit der Pimax Dream Air

Lighthouse oder SLAM? Beide Tracking-Systeme haben ihre Vor- und Nachteile. Aber wie groß sind die Unterschiede tatsächlich beim Spielen? Dieser Frage wollte ich schon länger nachgehen. Mit der Pimax Dream Air und der Dream Air SE hatte ich nun die Gelegenheit, beide Tracking-Varianten direkt miteinander zu vergleichen.

Für meinen Praxistest habe ich zwei Spiele ausgewählt, die unterschiedliche Anforderungen an das Tracking stellen: Beat Saber mit seinen schnellen Controllerbewegungen und Crossfire: Sierra Squad, bei dem es auf ruhiges und präzises Zielen ankommt. Die Ergebnisse haben mich teilweise überrascht.

Lighthouse und SLAM: Zwei unterschiedliche Tracking-Systeme

Lighthouse-Tracking setzt auf externe Basisstationen, die im Raum aufgestellt beziehungsweise montiert werden müssen. Wer bereits ein entsprechendes SteamVR-System besitzt, kann vorhandene Basisstationen und Controller weiterverwenden. Wer dagegen neu einsteigt, muss mit erheblichen zusätzlichen Kosten rechnen. Dafür bietet Lighthouse grundsätzlich ein sehr präzises und zuverlässiges Tracking.

Allerdings benötigt das System eine freie Sichtverbindung zwischen den Basisstationen und den Sensoren am Headset beziehungsweise an den Controllern. Werden diese Verbindungen beispielsweise durch andere Personen im Raum verdeckt, kann das Tracking beeinträchtigt werden oder vollständig ausfallen. Solche Aussetzer sind beim Spielen ausgesprochen unangenehm.

SLAM beziehungsweise Inside-Out-Tracking funktioniert dagegen ohne externe Basisstationen. Die Kameras am Headset erfassen die Umgebung und ermöglichen darüber die räumliche Orientierung. Auch die passenden Controller müssen natürlich bezahlt werden, insgesamt fällt der Einstieg aber deutlich günstiger aus als bei einem vollständigen Lighthouse-System.

Wie zuverlässig das funktioniert, hängt wesentlich von der Tracking-Software und den Umgebungsbedingungen ab. Nach meinen bisherigen Erfahrungen erreicht Pimax hier noch nicht die Zuverlässigkeit einer Meta Quest. Der Raum sollte ausreichend und möglichst gleichmäßig beleuchtet sein. Spiegel und stark reflektierende Oberflächen können Probleme verursachen. Außerdem benötigen die Kameras erkennbare Strukturen, an denen sie sich orientieren können. Deshalb habe ich an einigen weißen Wandflächen meines VR-Zimmers ausgedruckte QR-Codes angebracht, um zusätzliche Kontraste zu schaffen.

Mein Testaufbau: Pimax Dream Air gegen Dream Air SE

Für den Vergleich habe ich die Pimax Dream Air SE mit SLAM-Tracking und die Pimax Dream Air mit Lighthouse-Tracking verwendet. Abgesehen von der optischen Einheit entsprechen sich die beiden Headsets in ihrer jeweiligen Tracking-Version weitgehend. Deshalb halte ich einen direkten Vergleich für vertretbar.

Die ursprünglichen SLAM-Testaufnahmen entstanden mit Firmware 1.0.5 und Pimax Play 2.0.3. Für Lighthouse kamen Firmware 1.0.6 und Pimax Play 2.0.4 zum Einsatz. Anschließend habe ich beide Spiele mit SLAM unter Firmware 1.0.6 und Pimax Play 2.0.4 erneut ausprobiert. Einen spürbaren Unterschied beim Tracking konnte ich dabei nicht feststellen.

Mir ging es bei diesem Vergleich nicht um eine technische Vermessung der Tracking-Genauigkeit, sondern darum, wie sich die beiden Systeme beim tatsächlichen Spielen verhalten und welche Unterschiede für mich wahrnehmbar sind.

Beat Saber: SLAM überrascht mit dem besseren Ergebnis

Für Beat Saber habe ich denselben Song auf dem Schwierigkeitsgrad Hard dutzendfach gespielt, um möglichst aussagekräftige Vergleichswerte zu bekommen. Dabei hat mich insbesondere ein Ergebnis überrascht: Meine beste Runde mit SLAM war beim Punktestand sogar etwas besser als sämtliche Durchgänge mit Lighthouse.

Auch die maximale Combo fiel bei meinem besten SLAM-Durchgang etwas höher aus. Das bedeutet natürlich nicht automatisch, dass SLAM präziser trackt. Meine eigene Leistung schwankt schließlich ebenfalls von Runde zu Runde. Dennoch zeigt das Ergebnis, wie gut sich mit dem Inside-Out-Tracking der Dream Air SE in Beat Saber spielen lässt.

Beat Saber im Trackingvergleich

Subjektiv habe ich weiterhin das Gefühl, mich auf Lighthouse etwas stärker verlassen zu können. Bei SLAM gibt es immer wieder Momente, in denen ich denke, dass ich einen Block eigentlich hätte treffen müssen. Ob tatsächlich jedes Mal das Tracking dafür verantwortlich ist, kann ich allerdings nicht sicher beurteilen. Auf meine besten Spielergebnisse hatten diese wahrgenommenen Aussetzer jedenfalls weniger Einfluss, als ich erwartet hätte.

Ein Spieler, der einen bestimmten Song nahezu perfekt beherrscht, könnte möglicherweise feinere Unterschiede zwischen den Systemen herausarbeiten. Für mich waren SLAM und Lighthouse in Beat Saber hinsichtlich der erreichbaren Spielergebnisse praktisch ebenbürtig.

Im Video habe ich meine beiden besten Durchgänge synchron nebeneinandergelegt. So lassen sich die Bewegungen und Ergebnisse unmittelbar vergleichen.

Crossfire: Sierra Squad – Lighthouse überzeugt beim präzisen Zielen

Ein etwas anderes Bild ergab sich auf dem Schießstand von Crossfire: Sierra Squad. Hier war der Unterschied zwischen den beiden Tracking-Systemen für mich deutlicher wahrnehmbar.

Mit Lighthouse folgt die Waffe meinen Bewegungen sehr ruhig und präzise. Beim SLAM-Tracking ist dagegen eine sichtbare Unruhe vorhanden, die sich besonders beim Zielen bemerkbar macht. Das bedeutet nicht, dass sich mit SLAM keine guten Ergebnisse erzielen lassen. Auch damit konnte ich meine Ziele treffen und den Durchgang problemlos absolvieren. Der Unterschied liegt für mich vor allem darin, wie sauber und verlässlich sich die Waffenbewegungen anfühlen. Gerade beim ruhigen Anvisieren einzelner Ziele vermittelt mir Lighthouse mehr Kontrolle. In diesem Szenario bevorzuge ich deshalb eindeutig das externe Tracking-System.

Crossfire: Sierra Squad im Lighthouse Tracking Test

Bewusst habe ich für diesen Vergleich den Schießstand gewählt, weil er eine überschaubare und gut vergleichbare Testumgebung bietet. Eine hektische Multiplayer-Situation mit schnellen Drehungen, wechselnden Körperhaltungen und zahlreichen gleichzeitigen Bewegungen bildet dieser Test natürlich nicht ab. Auch die vollständigen Aufnahmen aus Sierra Squad sind im Video enthalten: jeweils eine Minute mit Lighthouse und SLAM, sodass sich die Unterschiede bei den Waffenbewegungen direkt beobachten lassen.

Mein Fazit: Ist Lighthouse wirklich besser?

Mein Vergleich zeigt, dass die Antwort stark davon abhängt, welche Anforderungen ein Spiel an das Tracking stellt.

In Beat Saber konnte ich mit SLAM mindestens genauso gute Ergebnisse erzielen wie mit Lighthouse. Mein bester SLAM-Durchgang war sogar etwas erfolgreicher. Das hat mich überrascht, weil ich subjektiv weiterhin mehr Vertrauen in das Lighthouse-Tracking habe.

Beim präzisen Zielen in Crossfire: Sierra Squad fiel der Unterschied dagegen deutlicher aus. Die ruhigeren Waffenbewegungen und das verlässlichere Gefühl beim Anvisieren sprechen für mich klar für Lighthouse.

Wer bereits ein Lighthouse-System besitzt, bekommt mit der entsprechenden Dream Air eine Tracking-Lösung, die ich persönlich bevorzuge. Wer dagegen neu in die PCVR-Welt einsteigt, muss die erheblichen Zusatzkosten berücksichtigen. Gerade mein Beat-Saber-Test zeigt, dass SLAM durchaus eine überzeugende Alternative sein kann. Ob sich die Mehrkosten für Lighthouse lohnen, hängt damit nicht zuletzt von den eigenen Ansprüchen und den bevorzugten Spielen ab.

Im dazugehörigen Video könnt ihr euch selbst ein Bild machen. Nach meiner Einordnung folgen die vollständigen Testaufnahmen aus Beat Saber und Crossfire: Sierra Squad. Welche Erfahrungen habt ihr mit SLAM und Lighthouse gemacht? Mich würde besonders interessieren, ob ihr in schnellen Spielen ähnliche Ergebnisse erzielt oder beim präzisen Zielen ebenfalls Unterschiede bemerkt.