Vor einigen Monaten habe ich auf meinem YouTube-Kanal einen ausführlichen Rückblick auf das XR-Jahr 2025 veröffentlicht und gleichzeitig einen Ausblick darauf gewagt, wohin sich Virtual Reality, Mixed Reality und Smart Glasses entwickeln könnten. Viele der dort angesprochenen Themen sind auch heute noch interessant, weil sie zeigen, welche technologischen Trends sich damals bereits abgezeichnet haben.
Dieser Artikel fasst die wichtigsten Gedanken aus diesem Video noch einmal zusammen.
2025 war kein Jahr des Stillstands
Wer sich schon länger mit VR beschäftigt, dürfte den Eindruck teilen, dass selten zuvor so viele neue Headsets innerhalb eines Jahres erschienen oder angekündigt wurden. Zwischen Standalone-Geräten, High-End-PCVR-Systemen und Mixed-Reality-Plattformen entstand zeitweise sogar das Gefühl einer gewissen Marktsättigung.
Gleichzeitig zeigt diese Entwicklung aber auch, dass Virtual Reality weit davon entfernt ist, zu verschwinden. VR hat zwar nach wie vor nicht den Massenmarkt erreicht, den viele vor einigen Jahren erwartet hatten, doch sie hat sich als eigenständiges Technologiefeld etabliert. Der Markt wächst nicht mehr ausschließlich über klassische VR-Headsets, sondern zunehmend über angrenzende Bereiche wie Mixed Reality, Spatial Computing und KI-gestützte Brillen.
Meta und der Standalone-Markt
Auch 2025 blieb Meta der dominierende Akteur im Bereich der Standalone-Headsets. Mit der Quest 3 und der günstigeren Quest 3S prägte das Unternehmen weiterhin einen großen Teil des VR-Marktes. Ein Blick auf die Steam-Hardware-Statistiken zeigte deutlich, wie stark Meta-Headsets inzwischen auch im klassischen PCVR-Bereich vertreten waren.

Nachdem Meta sein Betriebssystem Horizon OS bereits zuvor für Drittanbieter geöffnet hatte, entstand zeitweise der Eindruck, das Unternehmen könnte sich schrittweise aus der Hardwareentwicklung zurückziehen. Eine Quest 4 erschien allerdings nicht. Stattdessen verlagerte sich der Fokus sichtbar auf Künstliche Intelligenz und Smart Glasses.
Parallel dazu entwickelte Meta seine Softwareplattform konsequent weiter. Funktionen wie Gaussian Splatting ermöglichen inzwischen gemeinsame Treffen innerhalb dreidimensionaler Scans realer Umgebungen. Die Grenzen zwischen Virtual Reality und Mixed Reality verschwimmen dadurch zunehmend.
Trotz Konkurrenz durch Hersteller wie Pico blieb Meta vor allem wegen seines Software-Ökosystems in einer komfortablen Position. Hardware allein reicht inzwischen nicht mehr aus. Der Erfolg eines Systems entscheidet sich immer stärker über Anwendungen, Inhalte und Plattformen.
Pancake-Linsen als neuer Standard
Technologisch markierte 2025 wahrscheinlich den endgültigen Abschied von Fresnel-Linsen im Consumer-Bereich. Die Quest 3S bildete dabei eher eine Ausnahme als eine Trendwende. Pancake-Linsen ermöglichen kompaktere und leichtere Headsets und haben sich inzwischen als neuer Standard etabliert. Fast alle neuen High-End-Geräte setzen mittlerweile auf diese Technologie.
Mixed Reality und Spatial Computing
Wenn über High-End-XR gesprochen wird, führt kein Weg an der Apple Vision Pro vorbei. Apple etablierte mit dem Begriff Spatial Computing eine neue Sichtweise auf Mixed Reality. Das Headset versteht sich weniger als Spielgerät, sondern vielmehr als eigenständiger Computer für Unterhaltung und Produktivität. Die Kombination aus hochauflösenden Micro-OLED-Displays, Eye-Tracking und Gestensteuerung setzte neue Maßstäbe bei Bildqualität und Bedienung. Auch wenn der hohe Preis eine breite Verbreitung verhinderte, gab Apple die Richtung für zukünftige Entwicklungen klar vor.

Mit der Play For Dream MR erschien 2025 ein weiteres interessantes Gerät auf dem europäischen Markt. Aufgrund der offensichtlichen Ähnlichkeiten wurde sie häufig als Vision-Pro-Klon bezeichnet. Tatsächlich übernimmt sie viele Design- und Bedienkonzepte, positioniert sich aber über einen deutlich niedrigeren Preis. Besonders interessant war ihre Offenheit gegenüber PCVR-Anwendungen und Technologien wie foveated Streaming, wodurch sie auch für klassische VR-Enthusiasten attraktiv wurde.

Ende des Jahres folgte schließlich die zweite Generation der Apple Vision Pro. Während sich am Grundkonzept wenig änderte, sorgte der neue M5-Prozessor für einen deutlichen Leistungssprung. Apple blieb damit seiner Strategie treu, Mixed Reality als vollwertige Computerplattform zu etablieren.
Samsung und Android XR
Mit dem Galaxy XR Headset betrat Ende 2025 ein weiterer großer Technologiekonzern die Bühne. Gleichzeitig startete mit Android XR eine offene Plattform, die auf das bestehende Android-Ökosystem und den Google Play Store zurückgreifen kann.
Besonders spannend ist die enge Integration von Google Gemini. KI wird hier nicht nur als Zusatzfunktion verstanden, sondern begleitet den Nutzer aktiv während der Anwendung. Gezeigte Demos, in denen Gemini beispielsweise während eines Spiels Hilfestellungen gibt, deuteten auf völlig neue Nutzungsszenarien hin.
Der Stand von PCVR
Der klassische PCVR-Markt blieb 2025 vor allem durch kabelgebundene High-End-Headsets geprägt. Mixed Reality spielte hier bislang nur eine untergeordnete Rolle.
Bigscreen brachte mit der Beyond 2 die nächste Generation seines ultrakompakten Headsets auf den Markt. Micro-OLED-Panels, Pancake-Linsen und optionales Eye-Tracking sorgen für eine beeindruckende Bildqualität. Gleichzeitig zeigen sich aber auch die bekannten Grenzen dieser Bauweise. Das Sichtfeld bleibt vergleichsweise klein.

Auch die Meganex Superlight 8K von Shiftall verfolgt diesen Ansatz. Die Bildqualität überzeugte, doch das begrenzte Field of View blieb eine der größten Herausforderungen kompakter Pancake-Systeme.


Pimax ging dagegen einen anderen Weg. Mit der Pimax Crystal Super wurde ein modulares Konzept vorgestellt, bei dem unterschiedliche optische Einheiten ausgetauscht werden können. Nutzer können zwischen verschiedenen Display- und Linsensystemen wählen, darunter klassische Glaslinsen oder Micro-OLED-Module mit Pancake-Technologie. Besonders interessant war dabei die Entwicklung einer neuen Pancake-Optik, die ein für diese Bauart ungewöhnlich großes Sichtfeld ermöglichen sollte. Die Crystal Super wirkte damit wie eine Übergangsgeneration auf dem Weg zu deutlich kompakteren High-End-PCVR-Systemen.

KI-Brillen und Smart Glasses gewinnen an Bedeutung
Neben VR und Mixed Reality entwickelte sich 2025 vor allem ein Bereich mit enormer Dynamik: Smart Glasses und KI-Brillen.
Was vor wenigen Jahren noch wie ein Nischenprodukt wirkte, entwickelte sich zunehmend zu einer eigenen Geräteklasse. Besonders in China entstanden zahlreiche neue Modelle, die in Europa oft kaum wahrgenommen wurden.
Der große Vorteil dieser Systeme liegt in ihrer Alltagstauglichkeit. Viele Menschen möchten kein großes VR-Headset tragen oder vollständig von ihrer Umgebung abgeschirmt sein. Smarte Brillen versprechen dagegen digitale Unterstützung, ohne den Kontakt zur realen Welt zu verlieren.
Noch standen dieser Vision technische Grenzen im Weg. Leistung, Miniaturisierung und Energieversorgung setzten den Geräten enge Grenzen. Deshalb wirkten Smart Glasses zu diesem Zeitpunkt eher wie eine Brückentechnologie. Sie ersetzen Smartphones noch nicht, könnten deren Rolle langfristig aber verändern.
Der Ausblick auf 2026
Aus der Perspektive Ende 2025 sprach vieles dafür, dass sich die Entwicklung von KI-Brillen weiter beschleunigen würde. Immer mehr Modelle sollten integrierte Displays besitzen und digitale Informationen direkt ins Sichtfeld einblenden.
Virtual Reality würde vermutlich auch künftig eine spezialisierte Nische bleiben. Gleichzeitig schien diese Nische technologisch spannender denn je.
Für 2026 wurden unter anderem neue schlanke PCVR-Systeme mit Micro-OLED-Displays und Pancake-Linsen erwartet. Pimax arbeitete mit der Dream Air an einem solchen Konzept. Auch Valve wurde ein neues Standalone-System nachgesagt, das kabelloses VR und leistungsfähiges PCVR über Streaming verbinden könnte.

Meta dürfte den Fokus wieder stärker auf neue Wireless-Headsets legen, um gegenüber Apple und Samsung konkurrenzfähig zu bleiben. Gleichzeitig verdichteten sich die Hinweise, dass auch Pico an einer neuen Generation leistungsfähiger Mixed-Reality-Geräte arbeitete.
Besonders spannend blieb die Frage, ob Micro-OLED-Displays in den kommenden Jahren günstiger werden und dadurch auch in preiswerteren Geräten Einzug halten würden. Apple hatte bereits gezeigt, welches Potenzial diese Technologie besitzt. Sinkende Produktionskosten könnten sie langfristig auch für den breiteren Markt interessant machen.
Fazit
Dieser Rückblick entstand ursprünglich Ende 2025 als persönliche Einordnung der damaligen Marktlage. Auch einige Monate später bleibt interessant zu sehen, welche Entwicklungen sich bereits damals abgezeichnet haben und welche Erwartungen sich inzwischen erfüllt haben oder sich vielleicht noch erfüllen werden.
XR entwickelt sich nicht geradlinig. Virtual Reality, Mixed Reality und KI-Brillen wachsen zunehmend zusammen und beeinflussen sich gegenseitig. Wahrscheinlich wird VR auch künftig eine spezialisierte Nische bleiben. Gleichzeitig gehört sie zu den spannendsten Technologiefeldern überhaupt und entwickelt sich kontinuierlich weiter.

