Die Frage, welches Modul der Pimax Crystal Super die bessere Wahl ist, lässt sich nicht so einfach beantworten. Denn während das 50PPD-Modul mit größerem Sichtfeld, größerem Sweetspot und insgesamt angenehmerem Gesamtbild punktet, verspricht das 57PPD-Modul eine bessere Performance durch das kleinere Sichtfeld und die höhere Pixeldichte.
Genau das wollte ich mir genauer anschauen.
Denn auf dem Papier klingt die Sache zunächst ziemlich eindeutig: Weniger Sichtfeld bedeutet weniger Fläche, die die Grafikkarte rendern muss. Entsprechend müsste das 57PPD-Modul gerade auf schwächeren Systemen klar im Vorteil sein. Gleichzeitig gibt es mittlerweile aber auch die Möglichkeit, das Sichtfeld des 50PPD-Moduls künstlich zu verkleinern – entweder direkt über Pimax Play oder noch deutlich detaillierter über das OpenXR Toolkit.
Die spannende Frage war deshalb: Kann das 50PPD-Modul durch diese FOV-Beschneidung leistungstechnisch zum 57PPD-Modul aufschließen?
Und ehrlich gesagt hat mich das Ergebnis teilweise ziemlich überrascht.
Zwei sehr unterschiedliche Ansätze
Schon beim normalen Einsatz merkt man schnell, dass sich beide Module sehr unterschiedlich anfühlen.
Das 57PPD-Modul liefert durch das kleinere Sichtfeld eine höhere Pixeldichte und damit eine sehr hohe Bildschärfe im zentralen Bereich. Gleichzeitig ist der Sweetspot kleiner und chromatische Aberrationen fallen deutlich stärker auf. Gerade an kontrastreichen Kanten kann das sichtbar werden. Ich persönlich empfinde das beim 50PPD-Modul wesentlich angenehmer.
Dafür muss das 50PPD-Modul aber deutlich mehr Bildfläche rendern. Mit ungefähr 125 Grad horizontalem Sichtfeld und rund 107 Grad vertikal liegt es klar über dem 57PPD-Modul, das bei mir auf etwa 102 Grad horizontal und 87 Grad vertikal kommt.
Dieser Unterschied wirkt sich natürlich direkt auf die benötigte GPU-Leistung aus.
Interessant wird es aber dann, wenn man das 50PPD-Modul in den sogenannten Narrow-Mode versetzt.
Dadurch reduziert sich das horizontale Sichtfeld deutlich. Das Ziel dahinter ist klar: weniger Renderaufwand und damit bessere Performance.

Überraschend geringe Unterschiede im MSFS 2024
Als erstes habe ich mir den Microsoft Flight Simulator 2024 angeschaut. Ein Spiel, das bekannt dafür ist, selbst starke PCs an ihre Grenzen zu bringen.
Zum Einsatz kam dabei Pimax OpenXR mit Quad-View Foveated Rendering.
Und hier wurde es bereits interessant.
Der Unterschied zwischen beiden Modulen fiel deutlich kleiner aus, als ich erwartet hatte. Das 57PPD-Modul war zwar etwas schneller, aber wir sprechen hier eher von einigen wenigen FPS Unterschied und nicht von einem riesigen Abstand.
Noch spannender wurde es mit aktiviertem Narrow-Mode beim 50PPD-Modul. Dadurch rückte die Performance tatsächlich sehr nah an das 57PPD-Modul heran.
Das bedeutet allerdings nicht, dass das 50PPD-Modul plötzlich schärfer aussieht. Die höhere Pixeldichte des 57PPD-Moduls bleibt natürlich bestehen. Aber rein leistungstechnisch war der Unterschied im Flight Simulator wesentlich kleiner, als ich ursprünglich gedacht hätte.

Contractors Showdown liefert ein völlig anderes Bild
Richtig überraschend wurde es dann in Contractors Showdown.
Das Spiel läuft bei mir über die SteamVR-Runtime, weil Pimax OpenXR hier aktuell nicht funktioniert. Und genau hier zeigte sich plötzlich ein komplett anderes Verhalten.
Der Narrow-Mode des 50PPD-Moduls brachte zwar einen kleinen Performancegewinn, aber am Ende lag das System trotzdem nur bei ungefähr 70 FPS im Durchschnitt.
Dann kam der Wechsel auf das 57PPD-Modul. Gleiche Einstellungen, gleiche Szene, aber plötzlich absolut stabile 90 FPS.
Gerade bei einem schnellen Shooter machen stabile hohe Frameraten enorm viel aus. Bewegungen wirken direkter, das Tracking fühlt sich präziser an und schnelle Reaktionen gelingen deutlich angenehmer.
In diesem Szenario spielt das 57PPD-Modul seine Stärke also voll aus.


Warum der Narrow-Mode des 50PPD-Moduls nicht ausreicht
Die Erklärung dafür liegt letztlich im Sichtfeld.
Selbst im Narrow-Mode bleibt das 50PPD-Modul insgesamt noch über den FOV-Werten des 57PPD-Moduls. Das horizontale Sichtfeld sinkt zwar deutlich auf ungefähr 106 Grad, aber vertikal verändert sich praktisch nichts.
Das bedeutet: Die GPU muss weiterhin mehr Bild rendern als beim 57PPD-Modul. Deshalb reicht die Beschneidung des Sichtfeldes nicht aus, um die gleiche Performance zu erreichen.
Was mich allerdings wirklich überrascht hat, war der binocular Overlap. Im normalen Modus liegt das 50PPD-Modul bei ungefähr 70 Prozent. Im Narrow-Mode steigt dieser Wert aber plötzlich auf annähernd 88 Prozent. Das ist extrem hoch. Und genau das kann das Bild für manche Nutzer deutlich angenehmer machen, weil beide Augen wesentlich mehr gemeinsame Bildfläche sehen. Gerade Menschen, die empfindlich auf stereoskopische Unterschiede reagieren oder schnell Ermüdung verspüren, könnten davon profitieren.
Dadurch bekommt der Narrow-Mode des 50PPD-Moduls plötzlich eine ganz andere Bedeutung. Nicht unbedingt als reine Performance-Funktion, sondern möglicherweise auch als Komfort-Option.
Fazit
Nach diesem Test bleibt für mich ein ziemlich klares Bild zurück.
Das 50PPD-Modul bleibt für mich insgesamt das rundere Gesamtpaket. Das größere Sichtfeld, der größere Sweetspot und die geringeren chromatischen Aberrationen sorgen für ein angenehmeres VR-Erlebnis. Mit aktiviertem Narrow-Mode kann das Modul in manchen Spielen außerdem durchaus etwas Performance zurückgewinnen.
An die Leistung des 57PPD-Moduls kommt es aber nicht vollständig heran. Vor allem in Spielen wie Contractors Showdown zeigt sich sehr deutlich, dass das kleinere Sichtfeld des 57PPD-Moduls der Grafikkarte spürbar Arbeit abnimmt. Absolut stabile 90 FPS waren dort mit dem 57PPD-Modul problemlos möglich.
Gleichzeitig hat mich der enorme Zugewinn beim binocular Overlap des 50PPD-Narrow-Modes wirklich überrascht. Damit hatte ich in dieser Form überhaupt nicht gerechnet.
Wer das 50PPD-Modul noch aggressiver beschneiden möchte, sollte sich zusätzlich das OpenXR Toolkit anschauen. Dort lässt sich das Sichtfeld wesentlich genauer anpassen als aktuell über Pimax Play.
Am Ende hängt die bessere Wahl also stark davon ab, welche Prioritäten man selbst setzt: größeres Sichtfeld und angenehmeres Gesamtbild oder maximale Performance und höchste Pixeldichte.
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