Pimax Crystal Super 57PPD Modul – vielversprechend auf dem Papier, aber mit klaren Schwächen

Kurz und knapp: Ich kann das 57PPD Modul der Crystal Super aktuell nicht empfehlen.

Und das hat weniger damit zu tun, dass es für sich genommen ein komplett schlechtes Modul wäre, sondern vielmehr damit, womit es sich messen muss. Innerhalb der Pimax Crystal Super Plattform gibt es mit dem 50PPD Modul einfach eine sehr starke Referenz – und genau daran muss sich das 57PPD Modul am Ende messen lassen.


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Pimax Crystal Super – 57 PPD Review

Einordnung vorab

Wie immer möchte ich transparent sein: Ich habe das 57PPD Modul von Pimax für dieses Review zur Verfügung gestellt bekommen. Das beeinflusst aber nicht meine Einschätzung.

Was mir wichtig ist: Wenn mir bei einem Produkt etwas auffällt, versuche ich das nicht direkt als endgültiges Urteil stehen zu lassen. Ich spreche solche Punkte im Zweifel mit Pimax durch. Manchmal stellt sich heraus, dass es eine Lösung gibt, manchmal bleibt es ein Problem. Aber diese Zwischenschritte gehören für mich dazu, weil ich eben keine vorschnellen Schlüsse ziehen möchte.


Der Modulwechsel – ein Detail, das im Alltag wirklich zählt

Was ich mit dem 57PPD Modul zum ersten Mal richtig ausprobiert habe, ist der Wechsel der optischen Module im laufenden Betrieb.

Ich hatte währenddessen tatsächlich Half-Life: Alyx laufen, habe das 50PPD Modul herausgenommen und das 57PPD eingesetzt. Das Spiel wurde in dem Moment automatisch beendet. Nachdem das neue Modul erkannt wurde, konnte ich direkt wieder starten.

Das klingt erstmal unspektakulär, ist im Alltag aber genau die Art von Komfort, die man sich wünscht. Es ist kein kompletter „on-the-fly“-Wechsel, aber so, wie es umgesetzt ist, wirkt es durchdacht. Dass das Spiel beendet wird, ist logisch – schließlich ändert sich mit dem Modul auch die komplette Darstellung, inklusive Renderauflösung und Profil.


Physische Unterschiede – auf den zweiten Blick sichtbar

Wenn man sich die Module einfach nur nebeneinander legt, fällt erstmal kaum etwas auf. Das 57PPD Modul ist nur über einen kleinen Sticker zu erkennen.

Erst beim genaueren Hinsehen wird klar, wo die Unterschiede liegen. Die Linsen sind deutlich kleiner und das Modul ist rund 20 Gramm leichter. Technisch bleibt ansonsten vieles identisch, unter anderem die verbauten QLED-Panels.

Das heißt: Der Unterschied entsteht nicht durch eine komplett andere Display-Technologie, sondern hauptsächlich durch die Optik.

Pimax Crystal Super - 57ppd und 50ppd Linsenvergleich
Pimax Crystal Super – 57ppd und 50ppd Linsenvergleich

Field of View – der erste spürbare Unterschied

Beim ersten Aufsetzen wird schnell klar, wo die Reise hingeht. Das Sichtfeld ist deutlich kleiner.

Ich komme in meinen Messungen auf etwa 100 bis 102 Grad horizontal und rund 86 bis 87 Grad vertikal. Das passt auch zu dem, was Pimax angibt.

Was mir zusätzlich aufgefallen ist: Das vertikale Sichtfeld ist nicht symmetrisch. Nach oben hin ist es kürzer als nach unten. Das ist kein komplett neues Verhalten, das kennt man auch vom 50PPD Modul. Aber hier fällt es etwas deutlicher auf.

Der Binocular Overlap ist minimal größer, zumindest auf dem Papier. In der Praxis merke ich davon nichts. Das ist einer dieser Punkte, die zwar messbar sind, sich aber nicht wirklich im Erlebnis widerspiegeln.

Pimax Crystal Super - FOV Vergleich 50ppd vs. 57ppd
Pimax Crystal Super – FOV Vergleich 50ppd vs. 57ppd

Bildqualität – vieles fühlt sich vertraut an

Es gibt einige Dinge, die funktionieren einfach so, wie man es erwartet.

Das Local Dimming ist stark, genauso wie beim 50PPD Modul. Glare fällt mir nicht negativ auf. Mura ist vorhanden, aber auf einem ähnlichen Niveau wie beim anderen Modul.

Interessant ist eher, wie sich die eigene Wahrnehmung verändert. Ich nehme Mura inzwischen stärker wahr als noch bei meinem ursprünglichen Crystal Super Review. Nicht, weil es plötzlich schlimmer geworden ist, sondern weil ich durch das viele Testen sensibler dafür geworden bin.

Das betrifft aber beide Module gleichermaßen.


Schärfe – der große Claim, der schwer greifbar bleibt

Das zentrale Argument für das 57PPD Modul ist klar: höhere Pixeldichte und damit ein schärferes Bild.

Durch das kleinere Sichtfeld wird die gleiche Auflösung auf einen kleineren Bereich verteilt. Rein technisch ergibt das Sinn.

In der Praxis finde ich es aber schwierig, diesen Vorteil klar zu greifen. Wenn man gezielt darauf achtet, kann man Unterschiede erahnen. Aber im normalen Spielen ist das nichts, was sich konstant und eindeutig durchsetzt.

Das ist für mich einer der Punkte, bei denen Erwartung und tatsächliches Erlebnis auseinandergehen.


Sweet Spot und chromatische Aberrationen – hier kippt das Gesamtbild

Der entscheidende Punkt ist für mich ein anderer.

Der Sweet Spot ist klein. Und das merkt man sehr schnell.

Im Zentrum liefert das Modul ein wirklich scharfes Bild. Aber dieser Bereich ist so begrenzt, dass man ihn ständig verlässt, sobald man den Blick leicht bewegt.

Und genau dann treten die chromatischen Aberrationen deutlich sichtbar auf. Farbsäume, die man nicht übersehen kann.

Beim 50PPD Modul gibt es diese Effekte auch, aber sie treten erst deutlich weiter außen auf. Hier passiert das sehr viel früher.

Ich habe verschiedene Spiele ausprobiert und gemerkt, dass mich genau das immer wieder rauszieht. Es ist nichts, was man einmal sieht und dann vergisst. Es begleitet einen dauerhaft.

Pimax Crystal Super - 57ppd Schärfetest
Pimax Crystal Super – 57ppd Schärfetest

Gewöhnungseffekt – und das hätte ich so nicht erwartet

Was ich selbst nicht erwartet hätte: Mit der Zeit habe ich mich ein Stück weit daran gewöhnt.

Die chromatischen Aberrationen sind nicht verschwunden. Aber sie springen einem nicht mehr ganz so stark ins Auge wie am Anfang. Das Gehirn scheint einen Teil davon einfach auszublenden.

Das ist ein interessanter Effekt und in VR auch nicht ungewöhnlich. Man gewöhnt sich an vieles.

Trotzdem bleibt es ein Nachteil. Gerade im direkten Vergleich mit dem 50PPD Modul wird weiterhin deutlich, dass dort das Bild insgesamt ruhiger und stabiler wirkt.


Kann Software das noch retten?

Die Frage liegt natürlich nahe, ob Pimax hier noch per Software nachbessern kann.

Ein Stück weit vielleicht. Aber ich bin skeptisch, ob sich das grundlegend lösen lässt. Wenn die Ursache in der Linsencharakteristik liegt, sind die Möglichkeiten begrenzt.

Das Thema ist auch nicht neu. Andere Reviewer haben ähnliche Beobachtungen gemacht.


Performance – der Punkt, an dem das Modul plötzlich Sinn ergibt

Und genau hier wird es interessant. Denn mit etwas Abstand hat sich mein Blick auf das Modul noch einmal leicht verändert.

Es gibt durchaus Nutzer, für die das 57PPD Modul einen echten Vorteil haben kann.

Der Grund ist simpel: Durch das kleinere Sichtfeld muss weniger gerendert werden. Das entlastet die GPU.

Gerade in Rennsimulationen kann das eine große Rolle spielen. In solchen Szenarien richtet sich der Blick ohnehin hauptsächlich nach vorne. Die periphere Wahrnehmung ist weniger entscheidend als stabile Framerates und Leistungsreserven.

Wenn man hohe Settings fahren möchte oder generell an der Leistungsgrenze unterwegs ist, kann dieser Unterschied relevant sein.

In so einem Kontext wird das 57PPD Modul plötzlich nachvollziehbar:
Man verzichtet auf Sichtfeld und Komfort, gewinnt dafür aber Performance.


Aber auch hier: Es gibt eine Alternative

Was man dabei nicht vergessen darf: Einen ähnlichen Effekt kann man auch mit dem 50PPD Modul erreichen.

Über Pimax Play oder das OpenXR Toolkit lässt sich das Sichtfeld künstlich reduzieren. Dadurch sinkt ebenfalls die GPU-Last.

Das heißt: Der größte Vorteil des 57PPD Moduls lässt sich im Grunde auch ohne dieses Modul nachbilden.


Dynamic Foveated Rendering – passt nicht ganz zusammen

Ein Punkt, der für mich nicht optimal zusammenpasst, ist Dynamic Foveated Rendering.

Die Idee dahinter ist, dass immer genau der Bereich scharf dargestellt wird, auf den man gerade schaut.

Beim 57PPD Modul führt das aber dazu, dass man sehr schnell aus dem kleinen Sweet Spot herausblickt – und dann sofort wieder die chromatischen Aberrationen sieht.

Das fühlt sich nicht stimmig an.


Für wen kann es trotzdem passen?

Wenn jemand von einer HP Reverb G2 kommt, ist ein kleiner Sweet Spot nichts Ungewöhnliches. In so einem Fall kann das 57PPD Modul trotzdem ein Upgrade darstellen.

Innerhalb der Crystal Super Plattform sehe ich das aber anders. Im direkten Vergleich ist das 50PPD Modul für mich einfach die rundere Lösung.


Fazit

Das 57PPD Modul ist kein Totalausfall. Es hat seine Daseinsberechtigung und kann in bestimmten Szenarien sinnvoll sein.

Aber im Alltag zählen andere Dinge: Wie stabil ist das Bild? Wie groß ist der Bereich, in dem es wirklich gut aussieht? Und wie oft wird man aus dem Erlebnis herausgeholt?

Und genau da hat das Modul für mich klare Schwächen.

Im direkten Vergleich bietet das 50PPD Modul das stimmigere Gesamtbild. Der größere Sweet Spot, die bessere Edge-to-Edge Clarity und die weniger auffälligen Artefakte machen am Ende den Unterschied.

Deshalb bleibt es bei meiner Einschätzung:

Ich kann das 57PPD Modul aktuell nicht empfehlen – mit der Einschränkung, dass es für sehr spezifische Anwendungsfälle, vor allem mit Fokus auf Performance, durchaus seine Berechtigung haben kann.

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